Die Krafttiere

Das Meister-Tier

Wo ist deine instinktive Kraft? Wo wohnt jenes Wesen, daß es wagte, in einen Wald zu gehen und nicht nur unversehrt wieder herauszukommen sondern auch als Freund der Wesen, die dort leben?
(…)
das, was du zu sein glaubtest, gibt es nicht, war nie und wird auch nie sein.
Wilder Mann, wilde Frau, du hast dich zähmen lassen und verlorst die Lebendigkeit der freien Wesen. Dein Körper hat es sich in weichen Büro- und Autosesseln bequem gemacht, du hast dich daran gewöhnt, Knöpfe zu drücken und das Leben durch verglaste Fensterscheiben zu betrachten… so hast du deine Illusion errichtet, ein Gott zu sein, ein schwacher Gott, der jedoch glaubt, machtvoll zu sein, ein abhängiger Gott, der sich aber „sicher“ ist, frei zu sein, ein ängstlicher Gott, der jedoch die Illusion hat, ein Held zu sein… bis der Tag kommt, an dem du völlig heruntergekommen vor dem Spiegel stehst, diesen Gott zu suchen und ihn nicht findest.
(…)
Dein Körper sprach, gab dir Zeichen und du hörtest sie nicht, deine Träume sandten dir Signale und du befolgtest sie nicht. Schliesslich warst du und bist du so beschäftigt, nicht wahr?!
(…)    Fühle, atme und flehe um Barmherzigkeit!    (…)
Bitte jenen, der dir innewohnt, jenen, der die Kraft der vier Elemente, der Tiere, der Pflanzen und der Mineralien besitzt, dir für deine Ignoranz zu vergeben und übe Tag für Tag Demut, bis irgendwann anmutig ein schönes Tier, Fahrzeug der Götter, in seiner Herrlichkeit kommen und dir den Ausweg aus all deinen scheinbar unlösbaren Probleme zeigen wird.
(…)
So sind die Lehren aus dem Tierreich. Vielschichtige Fragen, einfache Antworten.

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Das Weisheits-Tier

Antiko lebte unter den Tieren. Er war erst zwölf Jahre alt, als er für ein Jahr bei den Tieren leben mußte, um mit ihnen zu lernen. So war es Brauch in seinem Stamm.
(…)
Mutter Hirsch näherte sich ihm und bot ihm ihren warmen Körper an, um sich daran aufzuwärmen. Er schlief zwischen den Pfoten dieses sanften Weibchens ein und teilte den Platz mit seinem kleinen Bruder Hirsch. Am nächsten Tag standen sie auf und aßen zarte Blätter. Vater Hirsch rief ihn, damit auch er essen konnte.
(…)
Manchmal, wenn es sehr schwer war und er Sehnsucht hatte nach seinen Freunden, seinem Haus und seinen Eltern, dann erinnerte er sich: „Das ist deine Initiation und ich werde bei dir sein!“ wie ihm der Schamane mit seinen schwarzen und durchdringenden Augen gesagt hatte.
(…)
„Du wirst dein Weisheits-Tier finden und mit ihm wirst du die Felder des wahren Wissens aufsuchen!“
(…)Jetzt konnte er die Wölfe sehen, sie waren hungrig, zum ersten Mal spürte er Angst, große Angst! Die Wölfe heulten wie verrückt. „Was kann ich tun?“ dachte er. Sein Körper war starr vor Entsetzen, er konnte nicht rennen! In einem Akt der Furchtlosigkeit und des Mutes warf Vater Hirsch sich auf die Wölfe und bot ihnen sein Fleisch und Blut an, damit sie ihn verschlingen konnten. So könnte seine Familie, auch Antiko, gerettet werden!
(…)
Der letzte Abschied von Vater Hirsch war ein lauter Befehlsschrei an seine Familie und in seinem Abschiedsschrei rief er ihnen Mut zu: „Geht weiter!“
(…)
Als sich Antiko abends hinsetzte und den Sternenhimmel betrachtete, erschien ihm das Gesicht des Schamanen am Himmel und lächelte ihn an. Und wie im Traum sah er im Unendlichen eine wunderschöne Konstellation: „Schau, das ist die Konstellation des Goldenen Hirsches, die dich für immer führen wird!“ hörte er den Schamanen sagen.

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Das Heilungs-Tier

„Schließe die Augen und stelle dir ein hungriges Tier vor, das auf dich zukommt“, kann der Schamane sagen. In diesem Augenblick beginnt die Berührung mit der verborgenen Kraft, die im Bereich des Unbekannten eines jeden von uns wohnt. Das Ritual, das im allgemeinen von der Trommel (…) begleitet wird, nimmt nach und nach Form an und die Gestalt des hungrigen Tieres erscheint vor den Augen dessen, der es sucht.
Am folgenden Tag rief ich jene Frau und bat sie, sich auf die Erde zu legen und die Atmung der Mutter zu atmen. Ihr Herzschlag und der Herzschlag der Mutter sollten zur Einheit selbst werden. Ich rief mein eigenes Heilungs-Tier und bat es, mich bei diesem Dienst zu unterstützen. Die Raubkatze erschien vor meinen Augen, schön und hungrig.
(…)
Ich bat auch Mariä, sich das Tier vorzustellen und erklärte ihr, gleich welches Tier es sei – sie solle nicht zweifeln, denn jenes sei ihr Heilungs-Tier. Sie sagte zu mir: “ Panther“!
(…)
Nachdem das Tier seinen Dienst erfüllt hatte, setzte es sich ruhig mit gekreuzten Pfoten hin, blickte liebevoll zu jener Frau auf, die der Göttlichen Energie in ekstatischem Zustand dankte.
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Das Heilungs Tier ist also jenes, das gebeten wird zu verschlingen, was nicht dienlich ist, zu reinigen was verschmutzt ist, wenn Symptome sich dem Körper nähern. Es gibt noch mehr Arten, mit dem Heilungs-Tier zu arbeiten, abhängig von dem Schamanen, der die Arbeit ausführt.
(…)
Manchmal fragen die Menschen, ob das Heilungs -Tier jede Krankheit verschlingt. „Nein!“, antworte ich. Es existieren Krankheiten, die die Grenzen des Rituals überschreiten. Nur der Große Geist, Er selbst, hat die Macht, solche Symptome umzuwandeln.

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Das Macht-Tier

Die Natur ist heilig. Dies ist der Ruf aller Traditionen aller Zeiten und aller Orte dieser Erde. Was ist die Natur, wenn nicht all die Wesen, die ein Teil von ihr sind, seien es Tiere, Pflanzen, Mineralien und Menschen?
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Für die Schamanen haben die Tiere im Allgemeinen eine ganz besondere Bedeutung. Sie sind diejenigen, die auf eine sehr persönliche Art die Gesetze der Winde, der Stürme, der Sonne und des Mondes fühlen und diese Botschaften auf ihre eigene Weise an die Menschen übermitteln, die diese Gesetze erlernen können oder auch nicht.
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Um es für den Verstand klarer zu machen und vor allem wegen der tiefen Beziehung der Kulturen mit der Natur, haben sie die Geisthüter mit den Tieren in Verbindung gebracht und so die Totems, Machtschilde usw. erschaffen. Die Erde (Tier) und der Himmel (Geist) zeigten sich einmal mehr als Einheit.
Die Geisthüter wurden folgendermaßen genannt: Macht-Tier oder Verbundenes-Tier, Meister-Tier, Weisheits-Tier und Heilungs-Tier.
(…)
Das Macht-Tier (das hier Thema ist) wird als dasjenige angesehen, das auf den unvorstellbaren Wegen der Existenz reist und den Reisenden in die Felder der wahren Schöpfung einführt. Es ist jenes, das die wirkliche Bedeutung der Macht und die vielschichtige Entdeckung folgenden Paradoxes zeigt: Je mehr Macht man im Bereich des Mysteriums besitzt, desto weniger darf man sie anwenden. Das Bewusstsein der Verantwortung, die der Reisende für die Anwendung dieser Kenntnisse hat, lässt ihn unzählige Male abwägen, ehe er den erlangten Schatz auf irgendeine Weise anwendet.

Jeder Mensch hat sein ureigenes Macht-Tier, das seine persönliche Reise sicherstellt
(…)
Zitat aus dem Buch „Die Stimme der Vier Elemente, die Geschichte einer Schamanin“ (Alba Maria, 2006), in dem die Schlange sagt:
„Ich bin die Herrin der Materie und der Göttlichkeit. Ich bin jene, die auf der Erde kriecht, um Wissen aus ihr zu ziehen. Während ich mich fortbewege, nehme ich die Bedeutung eines jeden Teilchens dieses Planeten in meinen Körper auf, bis eines Tages all dies Gelernte sich in Weisheit umwandelt und ich mich zwischen Himmel und Erde bewegen kann. Ich bin die Illusion und das Wirkliche dessen, was ihr Realität nennt. Religionen stellen mich als Symbol der Sünde dar. In Wahrheit bin ich jedoch das Symbol des Wissens und der Weisheit“.

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All´ dies sind Auszüge aus dem Buch:
Die Stimme der Vier Elemente –
Geschichte einer Schamanin

Alba Maria, 2006
ISBN 978-85-89526-08-1

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